Hüftgelenkdysplasie bei Deutschen Doggen
Bedeutung von HD- und ED in der Hundezucht
Im Deutschen Doggen Club 1888 e.V. ist schon seit Jahrzehnten das HD Röntgen der Zuchthunde Pflicht. In den Durchführungsbestimmungen zur Zuchtzulassungsordnung heißt es unter „Hüftgelenksdysplasie“: Eine Zuchtverwendung von Hunden mit HD-Grad Mittel (D) oder Schwer (E) ist untersagt.
Hunde mit HD-Grad (C) dürfen nur mit Hunden verpaart werden, die HD-Grad (A) aufweisen.
Das ED-Röntgen ist im DDC noch freiwillig, wird aber von vielen verantwortungsbewussten Züchtern wahrgenommen.
HD (Hüftgelenksdysplasie) und ED (Ellbogendysplasie) gehören zu den wichtigen erblich beeinflussten Erkrankungen bei Hunden. Mit einer Erblichkeit von 20 % – 40 %. Deshalb spielen Röntgenuntersuchungen eine zentrale Rolle in der verantwortungsvollen Zucht.
Warum sind HD und ED für die Zucht so wichtig?
Beide Erkrankungen sind stark genetisch mitbedingt
Betroffene Hunde können:
- Schmerzen
- Bewegungseinschränkungen
- lebenslange Behandlungskosten haben
Ohne Kontrolle würden sich die Anlagen unkontrolliert in der Population verbreiten
Was zeigt das HD-/ED-Röntgen?
Durch standardisierte Röntgenaufnahmen kann man:
- erkennen, wie tief und fest die Hüftgelenke verankert sind
- frühe Arthrose feststellen
- Hunde objektiv miteinander vergleichen
Wichtig:
Viele Hunde zeigen keine Symptome, obwohl sie schlechte Gelenke haben → Röntgen ist daher unverzichtbar.
Warum unter Narkose?
- Exakte Lagerung ist entscheidend
- Schon kleinste Lagerungsabweichungen verfälschen das Ergebnis
- Der Hund soll bei der Untersuchung entspannt sein und soll keine Schmerzen oder Stress haben
Nur korrekt angefertigte Bilder sind bezüglich einer Zuchttauglichkeit beurteilbar.
Bewertungssysteme (vereinfacht erklärt)
HD-Bewertung (Beispiel FCI-System)
Grad Bedeutung
HD A frei
HD B Übergangsform
HD C leichte HD
HD D mittlere HD
HD E schwere HD
ED-Bewertung
Grad Bedeutung
ED 0 frei
ED 1 leicht
ED 2 mittel
ED 3 schwer
Warum darf man nicht einfach „symptomfreie“ Hunde miteinander verpaaren?
- Ein Hund kann klinisch unauffällig, aber genetisch belastet sein
- Er kann die erbliche Disposition weitergeben
- Sichtbare Symptome
Zucht ohne Röntgen = Blindflug
Wie hilft das Röntgen der Rasse langfristig?
Durch konsequentes Röntgen:
- sinkt die Häufigkeit schwerer HD/ED-Fälle
- werden Zuchtlinien transparenter
- können Verpaarungen gezielt geplant werden
- verbessert sich die Lebensqualität zukünftiger Hunde
Wichtiger Punkt: HD/ED ≠ „guter oder schlechter Hund“
Ein Hund mit HD oder ED:
- Röntgen von Hüfte und Ellenbogen gibt eine Auskunft über die Zuchttauglichkeit, aber nur beschränkt, ob eine klinische Erkrankung zu erwarten ist
- ist nicht wertlos
- kann ein toller Familienhund sein
Aber:
Er sollte nicht zur Zucht eingesetzt werden (oder nur sehr eingeschränkt)
Verantwortung gegenüber den Welpen und Käufern steht im Vordergrund.
Bedeutung für Welpenkäufer
HD-/ED-Röntgen der Elterntiere:
- zeigt, dass der Züchter verantwortungsvoll arbeitet
- reduziert (nicht eliminiert!) das Erkrankungsrisiko
- ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal seriöser Zucht
Merksatz zur Zucht
HD- und ED-Röntgen schützt nicht den Zuchthund – sondern die nächste Generation.
HD und ED – kurz erklärt
HD (Hüftgelenksdysplasie)
Fehlentwicklung des Hüftgelenks: Oberschenkelkopf und Hüftpfanne passen nicht optimal zusammen → Instabilität, Arthrose, Schmerzen.
ED (Ellbogendysplasie)
Sammelbegriff für mehrere Entwicklungsstörungen des Ellbogengelenks (z. B. FPC, OCD, IPA, Inkongruenz) → Lahmheit der Vordergliedmaßen, frühe Arthrose.
Für beide Erkrankungen gilt:
• sie sind multifaktoriell (Genetik + Umwelt)
• die Symptomfreiheit ist nicht angeboren, sondern entwickeln sich im Laufe des Lebens
Rassetypische Risiken
Besonders gefährdete Rassen sind große & schnell wachsende Rassen.
Warum diese Rassen?
- Genetische Prädisposition
- Starkes Wachstum → hohe Belastung unreifer Gelenke
- Zuchtlinien mit unzureichender Selektion
Wichtig: Auch Mischlinge können betroffen sein.
Prävention im Welpenalter (Zusammenfassung)
Ziel: Belastung reduzieren, Wachstum kontrollieren
Fütterung
- Energieangepasstes Welpenfutter für große Rassen
- Kein Überfüttern → schlanker Körperzustand!
- Kein zusätzliches Kalzium ohne tierärztliche Empfehlung
Bewegung
- Regelmäßige, moderate Bewegung
Kein:
- übermäßigesTreppensteigenexzessives Ballwerfen
- Springen (Auto, Sofa)
Lieber:
- gleichmäßiges Laufen, kontrolliertes Spielen
- Haltung & Alltag
- Rutschfeste Böden
- Ruhige Wachstumsphase zulassen
Züchterwahl mit HD-/ED-freien Elterntieren
Therapieoptionen: konservativ vs. operativ
Konservative Therapie
Geeignet bei:
- milden bis moderaten Befunden
- älteren Hunden
- OP nicht möglich oder nicht gewünscht
Bestandteile:
- Gewichtsmanagement (sehr wichtig!)
- Schmerzmittel (NSAIDs)
- Physiotherapie & Muskelaufbau
- Gelenkdiäten, Ergänzungsfuttermittel
- Angepasste Bewegung
Vorteil: nicht invasiv
Nachteil: keine Korrektur der Ursache, möglicherweise lebenslang nötig
Operative Therapie
Sinnvoll bei:
- jungen Hunden
- schweren Fehlstellungen
- anhaltenden Schmerzen trotz konservativer Therapie
Beispiele
HD:
- Juvenile Symphysiodese (früh!)
- Beckenosteotomie, sehr schmerzhaft. Oft noch Therapie trotzdem erforderlich
- Femurkopfresektion
- Totalendoprothese (künstliches Hüftgelenk)
ED:
- Arthroskopische Fragmententfernung
- Korrekturosteotomien
Vorteil: Ursache wird behandelt, oft bessere Langzeitprognose
Nachteil:Kosten, Narkoserisiko, Nachsorge erforderlich
Kann ich auch ohne röntgen erkennen, ob mein Hund HD hat?
Symptome:
- Lahmheit der Hinterhand (oft nach Belastung)
- Schwierigkeiten beim Aufstehen, Hinlegen oder Treppensteigen
- „Hasenhoppeln“ beim Laufen oder Rennen
- Verminderte Bewegungsfreude
- Schmerzen bei Streckung/Beugung der Hüfte
- Muskelabbau an der Hinterhand
- Bei älteren Hunden: Arthrose-bedingte Steifheit
Symptome können bereits im Junghundalter auftreten oder sich erst im Erwachsenenalter zeigen.
Bei HD passt der Oberschenkelkopf nicht optimal in die Hüftpfanne → Instabilität → Gelenkverschleiß → Arthrose.
Risiken
- Chronische Schmerzen
- Frühzeitige Arthrose
- Eingeschränkte Lebensqualität
- Eventuell lebenslange Medikation oder Operationen
- Zuchteinsatz problematisch (erblich!)
Ellbogendysplasie (ED)
Symptome
- Lahmheit der Vordergliedmaßen (oft einseitig beginnend)
- Steifer Gang, besonders nach Ruhephasen
- Schmerzreaktion beim Beugen oder Strecken des Ellbogens
- Vermeidung von Belastung (z. B. Hinsetzen statt Stehen)
- Außenrotation der Pfoten
- Muskelabbau an der Schulter/Vorderhand
Entstehung
- Ebenfalls stark genetisch bedingt
- Entwicklungsstörung mehrerer Knochen im Ellbogengelenk (z. B. FCP, OCD, UAP)
- Ungleichmäßiges Wachstum
- Überfütterung / falsche Mineralstoffzufuhr
- Überbelastung im Junghundalter
Durch ungleichmäßiges Wachstum entstehen Fehlbelastungen → Knorpel- und Knochenschäden → Arthrose.
Risiken
- Dauerhafte Lahmheit
- Schnelle Arthroseentwicklung (oft schon im jungen Alter)
- Schmerzen bei jeder Bewegung
- Begrenzte Einsatzfähigkeit (Sport, Arbeit)
- Hoher Behandlungsbedarf (Physio, OP, Schmerztherapie)
Was passiert bei HD?
- Hüftpfanne zu flach
- Oberschenkelkopf locker / instabil
- Gelenk „schlackert“
Folge:
- Entzündung
- Knorpelabrieb
- Arthrose
- Schmerzen & Lahmheit
Nun haben wir viel über HD und ED und ihre genetische Ursache erfahren. Wir haben aber auch gehört, dass Umwelteinflüsse ausschlaggebend sein können, um HD oder ED entstehen zu lassen. Sprich: Nicht jeder Hund, der eine genetische Veranlagung für diese beiden Erkrankungen hat, muss sie auch entwickeln. Das Belegen verschiedene Studien, über die wir hier informieren wollen. Das macht aber das HD-Röntgen für DDC Zuchthunde nicht hinfällig. Denn ein Hund, der keine genetische Veranlagung hat, wird weniger gefährdet sein, eine HD zu entwickeln.
HD und ED sind polygenetisch und multifaktoriell
Die Forschung zeigt klar:
Es gibt nicht ein einziges Gen und auch nicht eine einzige Ursache. Stattdessen wirken viele genetische Faktoren zusammen, Hauptgene, Nebengene, modifizierende Gene, sie treffen im Wachstum auf Umwelteinflüsse, die darüber entscheiden, ob und wie stark sich eine Dysplasie ausprägt.
Genetik legt also die DISPOSITION. Die Umwelt entscheidet über den Verlauf.
Mehrere große Studien zeigen Erblichkeitswerte zwischen 20 - 40% bei vielen Rassen (Je nach Rasse höher oder niedriger). Ein erheblicher Anteil der Variabilität entsteht nicht durch Genetik, sondern durch Faktoren wie:
- Wachstumsgeschwindigkeit
- Belastungsdosierung
- Muskuläre Entwicklung & Koordination
- Ernährung & Energiezufuhr
- Gewicht
- Untergründe & Alltagsumgebung
- frühe Mikrotraumen an Wachstumsfugen
- Management in der sensiblen Wachstumsphase
Der Artikel „The complexity of hip dysplasia (HD) in dogs“ (Wayosi, 2025) fasst das sehr treffend zusammen: HD entsteht aus einem Zusammenspiel vieler kleiner Einflüsse, nicht aus einem einzelnen Auslöser. Die Autor:innen betonen, dass Gene lediglich die Bereitschaft erhöhen, ob sich diese Bereitschaft realisiert. Es hängt stark von Umweltreizen, Wachstum, Bewegung und Körpergewicht ab.
Diese Sicht deckt sich vollständig mit den Erkenntnissen der veterinärmedizinischen Forschung (Mäki et al., Malm et al., Oberbauer et al., Ginja et al.): Genetik ist relevant, aber nicht deterministisch. Ein Hund mit genetischer Veranlagung entwickelt je nach HD Grad keine klinischen Symptome, wenn die Umweltbedingungen günstig sind. Ein Hund ohne starke Veranlagung kann dennoch HD entwickeln, wenn Wachstum und Belastung ungünstig verlaufen.
Für die Prävention bedeutet das: Wir können über 50% der Risikofaktoren AKTIV beeinflussen. Durch kontrollierte Bewegung, muskuläre Führung, angemessene Ernährung, Gewichtskontrolle, gute Untergründe und frühzeitige funktionelle Diagnostik.
HD und ED sind also keine „Schicksalserkrankungen“. Sie sind auch Entwicklung BEDINGTE Erkrankungen, deren Verlauf wir im Wachstum maßgeblich mitgestalten können.
HD-Auswertungen
Wir stellen Ihnen hier die HD-Auswertungen ab 2011 als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung.
Bitte einfach gewünschte Jahreszahl anklicken.